Ursachen für Schmerzen bei Frauen verstehen - ein physiotherapeutischer Blick

 

Warum Beschwerden ernst genommen werden sollten 

Schmerzen, unerklärliche Müdigkeit und die daraus folgende Antriebslosigkeit. Gleichzeitig wachsende To-do-Listen und das Gefühl von: „Wie soll ich das alles schaffen?“
Viele Frauen leben über Monate oder sogar Jahre mit Schmerzen – im Unterbauch, Rücken, Becken oder im gesamten Körper. Eine Müdigkeit, die sie ständig begleitet. 

Häufig werden diese Beschwerden als „normal“, „hormonell“ oder „stressbedingt“ eingeordnet. Nicht selten endet ein langer Arzttermin mit einer Schmerzmedikation oder hormonellen Behandlung – ohne dass die eigentlichen Zusammenhänge betrachtet werden. Im schlimmsten Fall hören Frauen sogar, sie müssten sich „einfach zusammenreißen“. 

Doch Schmerzen sind kein Zustand, den man einfach hinnehmen sollte. 

In der Physiotherapie zeigt sich immer wieder:
 Der Körper sendet klare Signale, wenn etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. 

 

Häufige Ursachen für Schmerzen bei Frauen 

 
Schmerzen entstehen selten durch nur einen einzelnen Faktor. Meist greifen mehrere körperliche und funktionelle Ebenen ineinander. 


1. Hormonelle Veränderungen

 

Der weibliche Zyklus beeinflusst Muskulatur, Bindegewebe und das Schmerzempfinden. Schwankungen von Östrogen und Progesteron können: 

  • die Spannungsregulation der Muskulatur verändern
  • das Gewebe empfindlicher machen
  • die Schmerzwahrnehmung verstärken

Aus physiotherapeutischer Sicht zeigt sich häufig, dass Beschwerden zyklusabhängig schwanken oder sich in bestimmten Phasen deutlich verstärken. 

2. Muskuläre Verspannungen und Fehlbelastungen

 

Dauerhafte Anspannung – etwa durch Stress, Schonhaltungen, einseitige Belastungen oder frühere Verletzungen – kann zu chronischen Schmerzen führen. Besonders betroffen sind häufig: 

  • Rücken und Nacken
  • Hüft- und Beckenregion
  • Beckenbodenmuskulatur

In der physiotherapeutischen Befundung fällt dabei oft auf, dass nicht der Ort des Schmerzes die eigentliche Ursache ist. Häufig entstehen Beschwerden durch kompensatorische Spannungsmuster, die sich über Monate oder Jahre aufgebaut haben. 

3. Beckenbodenprobleme

 

Der Beckenboden spielt eine zentrale Rolle für Stabilität, Atmung und Bewegung. Ein zu angespannter oder geschwächter Beckenboden kann: 

  • Druck- oder Schmerzgefühle verursachen
  • Bewegung einschränken
  • Beschwerden im Rücken, Unterbauch oder Becken auslösen

Diese Problematik bleibt oft lange unentdeckt, da sie äußerlich nicht sichtbar ist und selten gezielt untersucht wird. 


4. Chronische Erkrankungen und systemische Belastungen

 

Erkrankungen wie Endometriose, PCOS, Myome, Zysten oder Beckenbodensenkungen gehen häufig mit langanhaltenden Schmerzen einher. 

Aus physiotherapeutischer Sicht ist dabei wichtig:
 Der Körper reagiert nicht isoliert. Chronische Entzündungsprozesse, eine unzureichende Versorgung mit essenziellen Mikro- und Makronährstoffen, zu wenig Schlaf, geringe Bewegung oder eine dauerhaft hohe Stressbelastung können das Schmerzsystem zusätzlich sensibilisieren. 

Schmerzen, Erschöpfung und Müdigkeit sind dann nicht einzelne Symptome – sondern Ausdruck eines überlasteten Gesamtsystems. 

Warum Schmerzen häufig nicht ernst genommen werden

 

Viele Frauen berichten, dass ihre Beschwerden lange nicht richtig eingeordnet wurden. Aussagen wie
 „Das ist normal“ oder „Damit müssen Sie leben“ führen dazu, dass Symptome verdrängt oder ignoriert werden. 

Dabei ist Schmerz immer ein Zeichen dafür, dass der Körper Unterstützung braucht – nicht, dass er „funktionieren muss“. 

In der Physiotherapie geht es nicht nur um einzelne Muskeln oder schmerzende Stellen, sondern um das Zusammenspiel von:

  • Bewegung
  • Spannung
  • Atmung
  • Körperwahrnehmung

 Ein physiotherapeutischer Ansatz betrachtet:

  • wie sich der Körper bewegt
  • wo er Spannung hält
  • wie Atmung und Haltung zusammenwirken
  • welche Kompensationen sich entwickelt haben

-> Zum Beispiel Fehlbelastungen durch Fehlstellungen einzelner Gelenke 

Ein individueller Behandlungsansatz kann helfen, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und dem Körper Schritt für Schritt Entlastung zu ermöglichen.

Ziel ist nicht, Symptome zu „überdecken“, sondern Verständnis für den eigenen Körper zu entwickeln – als Grundlage für nachhaltige Veränderung.

Was Frauen selbst unterstützen kann – Orientierung aus physiotherapeutischer Sicht


Neben einer professionellen Begleitung gibt es einige grundlegende Bereiche, die den Körper im Alltag unterstützen können. Diese ersetzen keine individuelle Behandlung, können aber helfen, Spannungen bewusster wahrzunehmen und den eigenen Körper besser zu versorgen.

1. Ernährung: den Körper versorgen, nicht „optimieren“

Aus physiotherapeutischer Sicht zeigt sich häufig, dass der Körper sensibel auf Unterversorgung reagiert – nicht nur energetisch, sondern auch strukturell.
Hilfreich kann sein:

  • regelmäßige Mahlzeiten, um Blutzuckerschwankungen zu vermeiden
  • ausreichend Eiweiß zur Unterstützung von Muskulatur und Gewebe
  • entzündungsarme Lebensmittel (z. B. Gemüse, hochwertige Fette)
  • eine ausreichende Trinkmenge über den Tag verteilt

Es geht dabei nicht um Diäten oder Verzicht, sondern um stabile Grundlagen, auf denen der Körper regulieren kann.
Rezeptidee:

Overnight Oats mit Beeren und Banane

Zutaten (2 Personen): 
Pro Person ca. 647kcal, E: 34 Gramm, K: 56 Gramm, F: 33 Gramm, Ballaststoffe: 12 Gramm 

  • 400 Gramm Skyr
  • 60 Gramm Haferflocken
  • 20 Gramm Leinsamen
  • 20 Gramm Hanfsamen
  • 20 Gramm Chiasamen
  • 1 Banane zerquetscht mit etwas Zimt
  • 200 Milliliter Mandeldrink
  • 100 Gramm Heidelbeeren (frisch oder tk)
  • 10 Gramm Wallnüsse
  • 10 Gramm Mandelmus 
  • Honig nach belieben 

Zunächst 200 Gramm Skyr mit 30 Gramm Haferflocken, 10 Gramm Leinsamen, Hanfsamen und Chiasamen, sowie 100 ml Mandeldrink und der Hälfte der zerquetschten Banane verrühren. Abdecken und über Nacht in den Kühlschrank stellen. Am nächsten Morgen mit jeweils 50 Gramm Heidelbeeren, 5 Gramm zerhackten Wallnüssen und 5 Gramm Mandelmus toppen. 

Eine ausgewogene, ballaststoff- und eiweißreiche Ernährung kann den Körper bei chronischen Schmerzen, Zyklusbeschwerden und Erschöpfung unterstützen. Dieses Rezept ist einfach vorzubereiten und gut verträglich – auch bei sensibler Verdauung.
„Diese Hinweise ersetzen keine individuelle Ernährungsberatung, sondern verstehen sich als allgemeine Orientierung aus physiotherapeutischer Sicht.“

 2. Bewegung: regelmäßig statt intensiv 

Viele Frauen denken bei Bewegung sofort an Sport oder Leistung. Physiotherapeutisch betrachtet ist jedoch oft kontinuierliche, moderate Bewegung hilfreicher als sporadische Belastung. 

Unterstützend kann sein: 

  • tägliches Gehen oder lockeres Spazieren
  • sanfte Mobilisation statt Kraftspitzen
  • Zyklusangepasstes Krafttraining

 

Ziel ist nicht „Training“, sondern Durchblutung, Gelenkbeweglichkeit und Spannungsregulation

3. Eine einfache Übung zur Wahrnehmung & Entlastung 

Zwerchfell–Beckenboden-Reset (Schmerz & Spannung regulieren)
Diese Übung ist kein klassisches Training, sondern ein neurologischer Reset.
Sie wirkt auf: 

  • Beckenboden
  • Unterbauch
  • Rücken
  • Nervensystem
  • Schmerzverarbeitung

Besonders geeignet bei: 

  • Unterbauch- & Beckenschmerzen
  • Endometriose / Zyklusbeschwerden
  • chronischer Spannung
  • Erschöpfung & innerer Unruhe


Warum diese Übung wirkt
Viele Frauen haben keinen schwachen, sondern einen überaktiven Beckenboden.
Der steht in direkter Verbindung mit: 

  • dem Zwerchfell
  • der Atmung
  • dem autonomen Nervensystem

Wenn die Atmung „oben hängen bleibt“, bleibt auch der Beckenboden unter Daueranspannung → Schmerz.
Diese Übung setzt genau hier an.

Anleitung: Zwerchfell–Beckenboden-Reset
Ausgangsposition 

  • Rückenlage
  • Beine aufgestellt oder Unterschenkel auf einem Stuhl (90° Hüfte/Knie)
  • Eine Hand auf den Bauch, eine auf den Brustkorb


Durchführung (5–7 Minuten) 

  1. Atme ruhig durch die Nase ein
    – spüre, wie sich dein Bauch sanft hebt
    – Brustkorb bleibt möglichst ruhig
  2. Langsam durch den Mund ausatmen
    – als würdest du eine beschlagene Scheibe anhauchen
    – stell dir vor, dein Beckenboden wird weich und schwer
  3. Am Ende der Ausatmung 2–3 Sekunden Pause
    – kein Pressen
    – einfach „loslassen“
  4. Wiederhole 10–15 Atemzüge
    – langsam
    – ohne Leistungsdruck

 
Bei Schwindel, akuten Schmerzen oder Unsicherheit sollte die Übung abgebrochen und fachlicher Rat eingeholt werden. 


4. Schlaf & Pausen ernst nehmen

Schmerz und Müdigkeit verstärken sich gegenseitig. Aus physiotherapeutischer Erfahrung zeigt sich, dass fehlende Regeneration Beschwerden oft aufrechterhält.

Hilfreich kann sein:

  • feste Schlafzeiten
  • bewusste Pausen im Alltag
  • kurze Momente ohne Reizüberflutung

Der Körper braucht Zeit, um auf Impulse reagieren zu können. 

 

Einordnender Abschluss 

All diese Hinweise sind keine Therapieempfehlungen, sondern Orientierung. Jeder Körper reagiert individuell – und genau deshalb ist eine ganzheitliche Betrachtung so wertvoll. 

Schmerzen sind kein Zeichen von Schwäche.
 Sie sind ein Signal, das verstanden werden möchte. 


Rechtlicher Hinweis: 

Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische oder therapeutische Beratung.